Widmung (Erich Fried)

Juni 12, 2009

Schreiben
um zu leben
wäre fast so arg
wie leben
um zu schreiben

aber etwas
noch schreiben
um es dann
dir
zeigen zu können

könnte einem fast
doch noch
leben helfen

1. setting limmits on ourselfs frees us from nature – socioty – imposing their limits upon us

2. many of our tecknollagies, rather than helping us, hinder us. this is becouse teqcknollagy incorages us to avoid our limitations rather than meet them, which is our pathway to god

3. our tecknollegys are often created out of fear and our need to feel entertained rather than actual need. they also fool us into beliving we are safe and invincable, therby increeceing ego atachment and missery.

4. the bicycle is an invention of genious, the car a mere inevitability and ultametly a monstrosity

5. The telivision and internal combustion engin have ruined life

6. climbing mount everest with an oxgen tank makes climbing mount everest easyer but actually devalues mountiains, the climber and the achevment

7. the reason for setting out on a journy is not to arrive magicaly at the goal, but to not know if we are going to make it to the finish. bravery is being willing to engage with our limitations

8. we lose trust in ourselfs and god by rigging the vote

(Aus: Death Heads Moth Manifesto)

at the time of writing
i was angry, depressed, frustrated and alone

at the time of writing
i happened to feel particularly nasty

at the time of writing
i was ecstatic, marvelled at the universe
and celebrated the joys of human existence

at the time of writing
i was bored and lazy
unwilling to lift a finger to do anything
(and even putting down these lines really took an effort)

at the time of writing
i was in pain
horny
tearful
newly in love

at the time of writing
i was affected by the predicament of a friend

at the time of writing
i radiated benevolence towards all of god’s creatures

at the time of writing
i was worried about everything and hated everybody

at the time of writing
i was enthusiastic, words and images seemed to just pour onto the page

at the time of writing
i was considering getting a dog
becoming a musician
wearing a suit from now on
wondering
was i perhaps really gay
and
should i smoke more
or less?

so the question might arise if
at the time of writing
i am
one of the above
all of the above
none of the above
or
in states of mind altogether different from the above

the answer is
that
at the time of writing
i am all of these things and then some

the truth is
quite simply that
at the time of writing

i am writing

09/04/09

April 10, 2009

criss-cross
of cranes and vapour trails
in the sky

i lie down
overpowered
by spring’s blue ether

schlesisches tor

Februar 23, 2009

der zug ist abgefahren

aber egal

da ist schon der nächste

andere richtung

aber macht nichts

bleibst sowieso hier

verkehrsumflossen

und durchströmt

von jener leere

durch die tauben

zum himmel aufsteigen

wie schmutzige gebete.

bist nicht wie andere

aber getreu den ratschlägen der weisen

bleibst du unauffällig

tust nichts

aber ermöglichst viel

bist durchgang

und heimat

für vögel und unruhige geister

bist der weg

nach westen und osten

gehörst niemandem

und allen

bleibst leer

ein eisernes fragezeichen

in einer klammer aus backstein.

regungslos

erreicht deine wetterfahne

ohne mühe

den himmel.

Februar 16, 2009

– a train stopping at a station and laying a string of full-grown men in mirrored suits and machined hats, laying them like a hatch of identical insects, half-life things coming pht-pht-pht out of the last car, then hooting its electrical whistle and moving on down the spoiled land to deposit another hatch.

Ken Kesey, One Flew Over the Cuckoo’s Nest (1962)

Eros der Tanzmusik

Februar 16, 2009

Wohl kommt die Tanzmusik, wenn sie auch nicht unser Innerstes erschüttert, recht wie ein Frühling leise und gewaltig über uns, die Töne tasten zauberisch wie die ersten Sommerblicke nach der Tiefe und wecken alle die Lieder, die unten gebunden schliefen, und Quellen und Blumen und uralte Erinnerungen und das ganze eingefrorene, schwere stockende Leben wie ein leichter klarer Strom, auf dem das Herz mit rauschenden Wimpeln den lange aufgegebenen Wünschen fröhlich wieder zufährt.

Joseph von Eichendorff, „Das Marmorbild“ (1819)

Januar 5, 2009

Gestalte dich, Stille. Gestalte
die Dinge (es ist ihre Kindheit,
sie werden dir willig sein).

Rainer Maria Rilke, „Eine Stunde vom Rande des Tages“

Die ganze Zeit

Oktober 12, 2008

Auf der Bank sitzen und darauf warten, dass die Sonne rumkommt. Noch scheint sie durch einen Schirm, den keine Kunsthandwerkerin geschickter anfertigen könnte: Gehänge, Vorhang, ein Rausch aus grünen und gelben Blättern. Die Robinie leuchtet. Mücken schweben auf der diesigen Nachmittagsluft. Viele Stellen der Stadt hat der Herbst wie mit Leuchtstift markiert: Hier, ein Baum!

Nachmittag im Innern einer blauen, weißgeäderten Murmel. Oder in einer riesigen, zart mundgeblasenen Schneekugel. Fehlt nur, dass ein Kind das Ganze schüttelt und auf einmal weiße Flocken stieben und die Mücken das Fürchten bekommen. (Das Kind heißt Winter.)

Kann sein, dass der Husky, der da drüben neben dem Typen mit der Säufernase liegt, genau darauf wartet. Warten lohnt sich: Während mir die Nase läuft und meine Hand blaue Linien auf das Papier macht, ist die Sonne rumgekommen. Kann ich mir also endlich den Sonnenschein teilen mit der jungen Frau auf der Bank nebenan. In ihr englisches Buch vertieft ist sie. War sie. Warum mach’ ich’s nicht wie die Oma, die herangewackelt kommt und einfach fragt, ob sie sich zu ihr setzen darf?

Gut, darf sie, sind genug Sonnenstrahlen für alle da. Und Oma wartet vielleicht auch schon am längsten. Kann sein. Kann aber auch sein, dass sie einfach alle Tricks kennt, in ihrem Alter. Ah, da sind ja auch die Altweiberfäden. Eindeutig: Das ist der Herbst.

Was is’ nun, Sonne? Müsste eigentlich längst auf mich scheinen. Scheint, als gäbe kein Morgen, aber da drüben. (Gibt es auch nicht. Gibt nur jetzt. Und das immer. Die ganze Zeit ist jetzt.)

Nur Geduld. Und da ist sie auch schon. Tastet mit warmen Strahlenfingerchen übers Papier. Streichelt über die Gesichter und die Brüste der Frauen. Männer lassen sich das nicht so gern gefallen, die bleiben blass, da kann die Sonne machen, was sie will. Der Alki-Typ mit dem Hund macht auf Schattenkreatur, sitzt gegenüber und will gefährlich aussehen. Während wir hier leise in Ekstase geraten. Jetzt dreht sie sogar richtig auf. Wir bekommen die volle Strahlenmassage ab. Ah!

Die Zeit steht nicht still, aber die Augenblicke fließen gleichmäßig vorüber wie dickflüssiges geschmolzenes Glas. Tief unten bewegt sich etwas, es schüttelt mich in Bauch und Brust, Atem entweicht in einem Stoß. The man gasped.

Oma steht ächzend auf und geht schwankend Richtung Straße. Das sanfte Streicheln tut gut. Ich entspanne. Seufze. Nase läuft weiter. Hand bewegt sich weiter. Die Sonne rückt weiter Richtung Sportplatz vor. Schon berührt sie die Spitzen der Bäume am anderen Kanalufer. Die leuchten aber nicht, die stehen schwarz und gemahnen an den Abend.

Nabend. Der Husky bellt plötzlich, es endet in einem hochgezogenen Jaulen. Spürt er den Schnee schon? Mein Magen knurrt. Ich stehe auf und gehe. In Richtung der aufgehenden Sonne.

Morgen. Morgen sehen wir uns wieder. Oder nie. Jetzt oder nie. Dabei scheint sie immer. Die ganze Zeit. Jetzt.

Am gestrigen Sonntag habe ich aus meiner Bibliothek zwei Bände alter Briefe hervorgeholt und in einem Bande nach dem andern geblättert. Es waren die Briefe der Frau v. Sevigné (ungefähr 1670) und die Briefe des M. T. Cicero (ungefähr 60 vor Christus).

Die Frau v. Sevigné schreibt beispielsweise folgendes: „Immer noch schleppe ich mich mit all diesen Sorgen und Geschäften herum. Ich habe gestern über ihre Angelegenheiten mit dem Herrn v. Pompone gesprochen und dann mit dem Abbé de Grignan und Herrn de la Garde zu Mittag gegessen. Alle sind der Meinung, dass Sie diese Reise unbedingt antreten müssen, und zwar so bald als möglich. Ach, wenn man doch nur einen Tag ruhig für sich haben könnte. Jetzt ist das Neueste, dass nicht Herr de Chaulnes den Vorsitz der Stände haben wird, sondern Herr de Lavardin, der gestern hier ankam und Montag wieder abreisen wird; es scheint also, dass irgendeine Verhandlung bevorsteht. Herr Chapelain hat einen Schlaganfall gehabt und liegt im Sterben. Die Noailles kann nicht mehr an den Hof gehen, weil sie schwanger ist. Man studiert jetzt eine neue Oper ein, die noch schöner als Venise sein wird.“

M. T. Cicero schreibt seinerseits: „ Ich habe Dir nicht früher antworten können, weil ich eine Unzahl der widerwärtigsten Sachen auf dem Halse habe. Die 90000 Sestertien sind in der Staatskasse niedergelegt; um sie frei zu bekommen, ist ein Senatsbeschluss nötig, dazu müsste ich mich dieser Angelegenheit mindestens dreißig Tage widmen, und wo soll ich die Zeit hernehmen! Die Krankheit Tullias hält mich in Rom zurück, und selbst wenn das vorüber sein wird, kann ich doch nicht fort, weil ich mit den Prokuratoren über die Auszahlung der ersten Pensionsrate zu verhandeln habe.“
So trieb man es sechzig Jahre vor Christus, so trieb man es unter Ludwig XIV.; so treiben wir es heute.

Inzwischen flammt da draußen der Oktober, Tag um Tag, und wird bald unwiederbringlich vorüber sein. Weiße, halb unsichtbare Fäden fliegen und schimmern und wandern über das Land; und in den Gärten steht die Stille, für die wir keine Zeit haben.