Geschmack eines Traums
November 11, 2009
Es ist viel schöner, mit der Ahnung von Schönheit durchs Leben zu spazieren als der Schönheit selber zu begegnen. Das weiß man doch. Es ist wie mit dem Träumen. Den ganzen Tag läuft man mit dem Geschmack eines Traums durch die Gegend, bis am Abend nur noch ein letzter Kitzel übrig ist, eine flüchtige süße Unkenntnis, oben am Gaumen. So soll es sein.
Andreas Glumm, “Presley lacht”, 04.11.2009
Widmung (Erich Fried)
Juni 12, 2009
Schreiben
um zu leben
wäre fast so arg
wie leben
um zu schreiben
aber etwas
noch schreiben
um es dann
dir
zeigen zu können
könnte einem fast
doch noch
leben helfen
freedom through limertation (Billy Childish)
Mai 11, 2009
1. setting limmits on ourselfs frees us from nature – socioty – imposing their limits upon us
2. many of our tecknollagies, rather than helping us, hinder us. this is becouse teqcknollagy incorages us to avoid our limitations rather than meet them, which is our pathway to god
3. our tecknollegys are often created out of fear and our need to feel entertained rather than actual need. they also fool us into beliving we are safe and invincable, therby increeceing ego atachment and missery.
4. the bicycle is an invention of genious, the car a mere inevitability and ultametly a monstrosity
5. The telivision and internal combustion engin have ruined life
6. climbing mount everest with an oxgen tank makes climbing mount everest easyer but actually devalues mountiains, the climber and the achevment
7. the reason for setting out on a journy is not to arrive magicaly at the goal, but to not know if we are going to make it to the finish. bravery is being willing to engage with our limitations
8. we lose trust in ourselfs and god by rigging the vote
at the time of writing
Mai 1, 2009
at the time of writing
i was angry, depressed, frustrated and alone
at the time of writing
i happened to feel particularly nasty
at the time of writing
i was ecstatic, marvelled at the universe
and celebrated the joys of human existence
at the time of writing
i was bored and lazy
unwilling to lift a finger to do anything
(and even putting down these lines really took an effort)
at the time of writing
i was in pain
horny
tearful
newly in love
at the time of writing
i was affected by the predicament of a friend
at the time of writing
i radiated benevolence towards all of god’s creatures
at the time of writing
i was worried about everything and hated everybody
at the time of writing
i was enthusiastic, words and images seemed to just pour onto the page
at the time of writing
i was considering getting a dog
becoming a musician
wearing a suit from now on
wondering
was i perhaps really gay
and
should i smoke more
or less?
so the question might arise if
at the time of writing
i am
one of the above
all of the above
none of the above
or
in states of mind altogether different from the above
the answer is
that
at the time of writing
i am all of these things and then some
the truth is
quite simply that
at the time of writing
i am writing
09/04/09
April 10, 2009
criss-cross
of cranes and vapour trails
in the sky
i lie down
overpowered
by spring’s blue ether
schlesisches tor
Februar 23, 2009
der zug ist abgefahren
aber egal
da ist schon der nächste
andere richtung
aber macht nichts
bleibst sowieso hier
verkehrsumflossen
und durchströmt
von jener leere
durch die tauben
zum himmel aufsteigen
wie schmutzige gebete.
bist nicht wie andere
aber getreu den ratschlägen der weisen
bleibst du unauffällig
tust nichts
aber ermöglichst viel
bist durchgang
und heimat
für vögel und unruhige geister
bist der weg
nach westen und osten
gehörst niemandem
und allen
bleibst leer
ein eisernes fragezeichen
in einer klammer aus backstein.
regungslos
erreicht deine wetterfahne
ohne mühe
den himmel.
– a train stopping at a station and laying a string of full-grown men in mirrored suits and machined hats, laying them like a hatch of identical insects, half-life things coming pht-pht-pht out of the last car, then hooting its electrical whistle and moving on down the spoiled land to deposit another hatch.
Ken Kesey, One Flew Over the Cuckoo’s Nest (1962)
Eros der Tanzmusik
Februar 16, 2009
Wohl kommt die Tanzmusik, wenn sie auch nicht unser Innerstes erschüttert, recht wie ein Frühling leise und gewaltig über uns, die Töne tasten zauberisch wie die ersten Sommerblicke nach der Tiefe und wecken alle die Lieder, die unten gebunden schliefen, und Quellen und Blumen und uralte Erinnerungen und das ganze eingefrorene, schwere stockende Leben wie ein leichter klarer Strom, auf dem das Herz mit rauschenden Wimpeln den lange aufgegebenen Wünschen fröhlich wieder zufährt.
Joseph von Eichendorff, “Das Marmorbild” (1819)
Gestalte dich, Stille. Gestalte
die Dinge (es ist ihre Kindheit,
sie werden dir willig sein).
Rainer Maria Rilke, “Eine Stunde vom Rande des Tages”
Die ganze Zeit
Oktober 12, 2008
Auf der Bank sitzen und darauf warten, dass die Sonne rumkommt. Noch scheint sie durch einen Schirm, den keine Kunsthandwerkerin geschickter anfertigen könnte: Gehänge, Vorhang, ein Rausch aus grünen und gelben Blättern. Die Robinie leuchtet. Mücken schweben auf der diesigen Nachmittagsluft. Viele Stellen der Stadt hat der Herbst wie mit Leuchtstift markiert: Hier, ein Baum!
Nachmittag im Innern einer blauen, weißgeäderten Murmel. Oder in einer riesigen, zart mundgeblasenen Schneekugel. Fehlt nur, dass ein Kind das Ganze schüttelt und auf einmal weiße Flocken stieben und die Mücken das Fürchten bekommen. (Das Kind heißt Winter.)
Kann sein, dass der Husky, der da drüben neben dem Typen mit der Säufernase liegt, genau darauf wartet. Warten lohnt sich: Während mir die Nase läuft und meine Hand blaue Linien auf das Papier macht, ist die Sonne rumgekommen. Kann ich mir also endlich den Sonnenschein teilen mit der jungen Frau auf der Bank nebenan. In ihr englisches Buch vertieft ist sie. War sie. Warum mach’ ich’s nicht wie die Oma, die herangewackelt kommt und einfach fragt, ob sie sich zu ihr setzen darf?
Gut, darf sie, sind genug Sonnenstrahlen für alle da. Und Oma wartet vielleicht auch schon am längsten. Kann sein. Kann aber auch sein, dass sie einfach alle Tricks kennt, in ihrem Alter. Ah, da sind ja auch die Altweiberfäden. Eindeutig: Das ist der Herbst.
Was is’ nun, Sonne? Müsste eigentlich längst auf mich scheinen. Scheint, als gäbe kein Morgen, aber da drüben. (Gibt es auch nicht. Gibt nur jetzt. Und das immer. Die ganze Zeit ist jetzt.)
Nur Geduld. Und da ist sie auch schon. Tastet mit warmen Strahlenfingerchen übers Papier. Streichelt über die Gesichter und die Brüste der Frauen. Männer lassen sich das nicht so gern gefallen, die bleiben blass, da kann die Sonne machen, was sie will. Der Alki-Typ mit dem Hund macht auf Schattenkreatur, sitzt gegenüber und will gefährlich aussehen. Während wir hier leise in Ekstase geraten. Jetzt dreht sie sogar richtig auf. Wir bekommen die volle Strahlenmassage ab. Ah!
Die Zeit steht nicht still, aber die Augenblicke fließen gleichmäßig vorüber wie dickflüssiges geschmolzenes Glas. Tief unten bewegt sich etwas, es schüttelt mich in Bauch und Brust, Atem entweicht in einem Stoß. The man gasped.
Oma steht ächzend auf und geht schwankend Richtung Straße. Das sanfte Streicheln tut gut. Ich entspanne. Seufze. Nase läuft weiter. Hand bewegt sich weiter. Die Sonne rückt weiter Richtung Sportplatz vor. Schon berührt sie die Spitzen der Bäume am anderen Kanalufer. Die leuchten aber nicht, die stehen schwarz und gemahnen an den Abend.
Nabend. Der Husky bellt plötzlich, es endet in einem hochgezogenen Jaulen. Spürt er den Schnee schon? Mein Magen knurrt. Ich stehe auf und gehe. In Richtung der aufgehenden Sonne.
Morgen. Morgen sehen wir uns wieder. Oder nie. Jetzt oder nie. Dabei scheint sie immer. Die ganze Zeit. Jetzt.