nachtleben
Januar 27, 2008
raus aus der kneipe:
draußen
wartet wieder mein schatten
unsichtbar
und nur gelegentlich
im licht der straßenlaternen
ein- oder zweifach hervortretend aus dem dunkel
spätestens morgen
klebt er wieder fest an meinen fersen
Der Verdächtige
Januar 20, 2008
Langsam durch belebte Straßen zu gehen, ist ein besonderes Vergnügen. Man wird überspült von der Eile der anderen, es ist ein Bad in der Brandung. Aber meine lieben Berliner Mitbürger machen einem das nicht leicht, wenn man ihnen auch noch so geschickt ausbiegt. Ich bekomme immer mißtrauische Blicke ab, wenn ich versuche, zwischen den Geschäftigen zu flanieren. Ich glaube, man hält mich für einen Taschendieb.
Die hurtigen, straffen Großstadtmädchen mit den unersättlich offenen Mündern werden ungehalten, wenn meine Blicke sich des längeren auf ihren segelnden Schultern und schwebenden Wangen niederlassen. Nicht als ob sie überhaupt etwas dagegen hätten, angesehen zu werden. Aber dieser Zeitlupenblick des harmlosen Zuschauers enerviert sie. Sie merken, dass bei mir nichts „dahinter!“ steckt.
Nein, es steckt nichts dahinter. Ich möchte beim Ersten Blick verweilen. Ich möchte den ersten Blick auf die Stadt, in der ich lebe, gewinnen, oder wiederfinden. . .
[. . .]
Hierzulande muss man müssen, sonst darf man nicht. Hier geht man nicht wo, sondern wohin. Es ist nicht leicht für unsereinen.
Franz Hessel, Spazieren in Berlin. Berlin, 1929.
Schiffbruch
Januar 8, 2008
I walked about on the shore, lifting up my hands, and my whole being, as I may say, wrapt up in the contemplation of my deliverance, making a thousand gestures or motions which I cannot describe, reflecting upon all my comrades that were drowned, and that there should not be one soul saved but my self; for, as for them, I never saw them afterwards, or any sign of them, except three of their hats, one cap, and two shoes that were not fellows.
Daniel Defoe, The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe of York. Mariner [...]. London, 1719.