schlesisches tor
Februar 23, 2009
der zug ist abgefahren
aber egal
da ist schon der nächste
andere richtung
aber macht nichts
bleibst sowieso hier
verkehrsumflossen
und durchströmt
von jener leere
durch die tauben
zum himmel aufsteigen
wie schmutzige gebete.
bist nicht wie andere
aber getreu den ratschlägen der weisen
bleibst du unauffällig
tust nichts
aber ermöglichst viel
bist durchgang
und heimat
für vögel und unruhige geister
bist der weg
nach westen und osten
gehörst niemandem
und allen
bleibst leer
ein eisernes fragezeichen
in einer klammer aus backstein.
regungslos
erreicht deine wetterfahne
ohne mühe
den himmel.
– a train stopping at a station and laying a string of full-grown men in mirrored suits and machined hats, laying them like a hatch of identical insects, half-life things coming pht-pht-pht out of the last car, then hooting its electrical whistle and moving on down the spoiled land to deposit another hatch.
Ken Kesey, One Flew Over the Cuckoo’s Nest (1962)
Eros der Tanzmusik
Februar 16, 2009
Wohl kommt die Tanzmusik, wenn sie auch nicht unser Innerstes erschüttert, recht wie ein Frühling leise und gewaltig über uns, die Töne tasten zauberisch wie die ersten Sommerblicke nach der Tiefe und wecken alle die Lieder, die unten gebunden schliefen, und Quellen und Blumen und uralte Erinnerungen und das ganze eingefrorene, schwere stockende Leben wie ein leichter klarer Strom, auf dem das Herz mit rauschenden Wimpeln den lange aufgegebenen Wünschen fröhlich wieder zufährt.
Joseph von Eichendorff, „Das Marmorbild“ (1819)