„I AM WHAT I AM“

Juni 12, 2015 § Ein Kommentar

»ICH BIN WAS ICH BIN.«  Mein Körper gehört mir. Ich bin ich, du bist du, und es geht schlecht. Massen-Personalisierung. Individualisierung aller Bedingungen – des Lebens der Arbeit, des Unglücks. Diffuse Schizophrenie. Schleichende Depression. Atomisierung in feine paranoide Teilchen. (…)

»I AM WHAT I AM.« Niemals hat Herrschaft eine über jeden Verdacht erhabenere Lösung gefunden. Die Erhaltung des Ichs in einem Zustand des permanenten Halbverfalls, in einem chronischen Halbversagen, ist das am besten gehütete Geheimnis der aktuellen Ordnung der Dinge. Das schwache, deprimierte, selbstkritische, virtuelle Ich ist wesensmäßig das unendlich anpassungsfähige Subjekt, das von einer Produktion erfordert wird, die sich auf Innovation, beschleunigten Verfall der Technologien, beständige Umwälzung der gesellschaftlichen Normen, verallgemeinerte Flexibilität begründet. Es ist gleichzeitig der gefräßigste Konsument und, paradoxerweise, das produktivste Ich, das sich am kraftvollsten und gierigsten auf das geringste Projekt stürzt, um später zu seinem ursprünglichen Larvenzustand zurückzukehren.

Das Unsichtbare Komitee, Der kommende Aufstand. (2011)

Geschichte / History

Juni 12, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Klee_AngelusNovus‘One of the most remarkable characteristics of human nature,’ writes Lotze, ‘is, alongside so much selfishness in specific instances, the freedom from envy which the present displays toward the future.’ Reflection shows us that our image of happiness is thoroughly colored by the time to which the course of our own existence has assigned us. The kind of happiness that could arouse envy in us exists only in the air we have breathed, among people we could have talked to, women who could have given themselves to us. In other words, our image of happiness is indissolubly bound up with the image of redemption. The same applies to our view of the past, which is the concern of history. The past carries with it a temporal index by which it is referred to redemption. There is a secret agreement between past generations and the present one. Our coming was expected on earth. Like every generation that preceded us, we have been endowed with a weak Messianic power, a power to which the past has a claim. That claim cannot be settled cheaply. Historical materialists are aware of that.

Walter Benjamin, Theses on the Philosophy of History (1940)

To (3753) Cruithne

März 18, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

dark moon dark moon –

how come

that there is

only silence

about you?

how come

the other

stupid satellite

that silly space rock

with the idiotic grin

the sun baked into its face

became the object of earthling worship

millennia ago?

but what

better symbol

for madness and melancholy

than you

my cold Celtic goddess:

serenely

dancing around

the sun

intricately moving

in step with a partner

who ignores you?

 

I adopt you

as my blazon

my guiding sign

forever

co-orbital

co-dependent

and obscure.

Villons Herberge (Günter Bruno Fuchs)

Februar 25, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Mond, weiße Krähe, gib die Hand.
Mach dich auf,
setz dein Federherz in Brand.
Klau
fürs Stundenglas
den Sand.
Küß die Lippen Schnee und Blut.
Ratten,
dieser Tag und ich,
Rattenbrüder
schlafen gut.

Blau

September 30, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

lovin it

himnmelblau

STRelaSUND

STRelaSUND zwei

neusachliches porträt

dümpeln

selbstporträt im bodden

Schön und rätselhaft

Juli 31, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

„Ich will überhaupt nicht verstanden werden. Ich glaube, das wäre das Schlimmste für mich.“

T. über T.

Elephant in the Room

Mai 10, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

[I]n einem Elefanten stecken zwei Elefanten, einer der lernt, was man man ihm beibringt, und ein anderer, der hartnäckig darauf besteht, von nichts etwas wissen zu wollen, Woher weißt du das, Ich habe festgestellt, dass ich selber wie der Elefant bin, ein Teil von mir lernt, aber der andere will nicht wissen, was der erste Teil gelernt hat, und je mehr er nicht wissen will, umso länger lebt er, Ich kann deinen Wortspielen nicht folgen, Ich spiele nicht mit Worten, sie spielen mir mir[.]

José Saramago, Die Reise des Elefanten (2008)
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