In María Carmens Garten

November 29, 2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Von hier aus sehe ich das Labyrinth, zumindest einen Teil davon. Ich sitze vor einer kleinen Hütte, una casita, im Barranco de Arguineguín. Die Sonne scheint auf diesen Block hier vor mir, auf meine Hände, der Wind ist aufgefrischt, eine unruhige Brise kitzelt meine Ohr und meine linke Seite, lässt das Badetuch flattern, das neben mir auf dem Holzgeländer hängt. Es ist eine Idylle, die sich vor meinem Blick ausbreitet: Um mich herum ragen schroffe braune und graue Felsen auf, vulkanischen Ursprungs, im Laufe von Jahrtausenden durch reißende Ströme von Regenwasser ausgehöhlt, die aus dem Bergland in der Inselmitte Richtung Meer tosten.
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Wer war’s? (Teil 3)

November 29, 2007 § Ein Kommentar

„Ich wage zu sagen, dass es dieser Mann verdient, dass man eher ihm glaubt als dieser Bande von Epressern, die Sie hier im Zeugenstand gesehen haben.“ So der Verteidiger vor Gericht. Sein Mandant, der hier Gesuchte, hatte ursprünglich ein Verfahren wegen Rufmords angestrengt und findet sich schließlich selbst in der Position des Angeklagten wieder. Und das in gleich zwei Verfahren: sein Gegner ist einflussreich, und sowohl das politische Establishment als auch die Gesetzgebung der Zeit ist gegen ihn. Er gibt sein Vergehen zwar nicht zu, verteidigt die ihm vorgeworfene verbotene Leidenschaft aber in typischer brillanter Dialektik als spirituelle Notwendigkeit, als Verehrung der Schönheit selbst: „Es ist eine tiefe geistige Zuneigung, die so rein wie perfekt ist. Sie bringt notwendig große Kunstwerke hervor, die von ihr erfüllt sind, wie die Shakespeares und Michelangelos, und eben diese meine beiden Briefe. In diesem Jahrhundert wird sie missverstanden, so sehr missverstanden… aus diesem Grund stehe ich jetzt hier. Sie ist schön, sie ist herrlich, sie ist die edelste Form der Zuneigung.“ Nicht nur die inkriminierenden Briefe sitzen hier gleichsam zusammen mit dem Dichter auf der Anklagebank, sondern auch sein veröffentlichtes Werk sowie der ganze „unmoralische“ Lebenswandel eines Mannes, der immer gefordert hatte, dass Kunst und Leben sich durchdringen sollten. Doch der Versuch des Dichters, die Gegenseite als Rufmörder und korrupte Erpresser hinzustellen, scheitert schließlich. Zwar können sich die Geschworenen im ersten Verfahren nicht auf ein Urteil einigen, doch in der Wiederaufnahme erhält der Gesuchte eine schwere Zuchthausstrafe. Wer war’s?

Wer war’s? (Folge 2)

November 19, 2007 § 2 Kommentare

Sein Satz „Wir Feuilletonisten überleben uns nicht“ traf leider nur zu gut auf ihn selbst zu. Denn schon bald nach seinem Tod geriet der Journalist, Gourmet und Feingeist mit den französischen Wurzeln in Vergessenheit. Heute gilt er noch oft als kulturkonservative, bzw. light- oder vielmehr „légère-Variante“ eines berühmteren, politisch viel weiter links stehenden Kollegen, von dem er übrigens bewundert wurde (und der seine Liebe zu Frankreich teilte). Dabei hatte der Gesuchte, vor allem noch in der Zeit der Monarchie, fein gedrechselte Anekdoten und Prosaminiaturen geschaffen und sich auch als, freilich umstrittener, Kunstkritiker einen Namen gemacht.

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Hôpital des oiseaux

November 19, 2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Rustling cooing chirping
shadows
batting their wings

unseen
merely felt
movement in the rafters.

In shafts of light
visible
are birds of all feathers

come here to heal
broken beaks
bones
mend broken voices.

A multitude
fluttering shuffling pecking
beating the air. Shrill cries.

Suddenly
all is still.

Fragments of memories
rise like motes of dust:

heads smashing into glass
wings snapped
skulls cracked

To conquer
a fear of falling
that’s why she sings

if her voice falters
if she starts thinking of
what she’s doing
in mid-air

the arc drops:

a bullet of fear
and silence
shoots down
a world enclosed by senses five

Now
in this twilight
she strains her wings

tries again
her high-pitched cry

a voice longing
to fill the sky

to be echoing
against the blue and shining heavenly shell.

(Thank you William Blake)

Wo bin ich?

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