Victor Auburtin, Geschäfte

August 5, 2008 § Ein Kommentar

Am gestrigen Sonntag habe ich aus meiner Bibliothek zwei Bände alter Briefe hervorgeholt und in einem Bande nach dem andern geblättert. Es waren die Briefe der Frau v. Sevigné (ungefähr 1670) und die Briefe des M. T. Cicero (ungefähr 60 vor Christus).

Die Frau v. Sevigné schreibt beispielsweise folgendes: „Immer noch schleppe ich mich mit all diesen Sorgen und Geschäften herum. Ich habe gestern über ihre Angelegenheiten mit dem Herrn v. Pompone gesprochen und dann mit dem Abbé de Grignan und Herrn de la Garde zu Mittag gegessen. Alle sind der Meinung, dass Sie diese Reise unbedingt antreten müssen, und zwar so bald als möglich. Ach, wenn man doch nur einen Tag ruhig für sich haben könnte. Jetzt ist das Neueste, dass nicht Herr de Chaulnes den Vorsitz der Stände haben wird, sondern Herr de Lavardin, der gestern hier ankam und Montag wieder abreisen wird; es scheint also, dass irgendeine Verhandlung bevorsteht. Herr Chapelain hat einen Schlaganfall gehabt und liegt im Sterben. Die Noailles kann nicht mehr an den Hof gehen, weil sie schwanger ist. Man studiert jetzt eine neue Oper ein, die noch schöner als Venise sein wird.“

M. T. Cicero schreibt seinerseits: „ Ich habe Dir nicht früher antworten können, weil ich eine Unzahl der widerwärtigsten Sachen auf dem Halse habe. Die 90000 Sestertien sind in der Staatskasse niedergelegt; um sie frei zu bekommen, ist ein Senatsbeschluss nötig, dazu müsste ich mich dieser Angelegenheit mindestens dreißig Tage widmen, und wo soll ich die Zeit hernehmen! Die Krankheit Tullias hält mich in Rom zurück, und selbst wenn das vorüber sein wird, kann ich doch nicht fort, weil ich mit den Prokuratoren über die Auszahlung der ersten Pensionsrate zu verhandeln habe.“
So trieb man es sechzig Jahre vor Christus, so trieb man es unter Ludwig XIV.; so treiben wir es heute.

Inzwischen flammt da draußen der Oktober, Tag um Tag, und wird bald unwiederbringlich vorüber sein. Weiße, halb unsichtbare Fäden fliegen und schimmern und wandern über das Land; und in den Gärten steht die Stille, für die wir keine Zeit haben.

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