Splitter/Gesudeltes

Mai 17, 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Emblem: Der Stiermensch, konzentriert, mit Stift auf einem Felsbrocken, schreibend.

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In mir: Ein großer hallender Raum. Leider meist voll gestellt – mit Gedanken, vorgefertigten Worten, Sätzen, Wendungen. Die Halle, das Kirchenschiff, ist ein Raum der Möglichkeiten: hier raunt es, rauscht es, könnte sich das Potenzial des Rauschens, des white noise entfalten. Ein Geräusch, das potenziell alle Laute enthält. Das Fließen des Wassers. Das Rauschen der Bäume. Das leise Summen der Stadt. Die Romantiker, vor allem Eichendorff, wussten um seine Bedeutung: Stille und Rauschen, nichts anderes ist der Grundstoff der Poesie.

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Ein Gedicht: Eine Kathedrale aus Rhythmus und Stille.

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(kathedrale)

umgekehrtes schiff
treibt kieloben im blau
zitternd, wie espenlaub
aufgehängt am faden
zwischen himmel und erde.

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Wenn Du die Schönheit liebst, musst du auch in ihre Kirche gehen: das Leben.

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Vorfrühling:

April is the cruellest month, breeding
Lilacs out of the dead land, mixing
Memory with desire, stirring
Dull roots with spring rain.
(T.S. Eliot, „The Waste Land“)

Ein dumpfes Bündel Nerven, bunched up, verknäult. Entfaltung unter den Strahlen der frühen und kraftvollen Sonne. Denken an T.S. Eliot und seine Depressionen – für zerebrale Naturen (wie ihn) eine brutale Zeit, der Übergang vom „Tod-im-Leben“ des Winters zu einer quicken und üppigen, vor Sinnlichkeit explodierenden Frühlingslandschaft.

Die Kirschblüte am Kanalufer: zartviolette Explosionen, wie von Kirchner. Weiter unten, rechter Hand: das Wasser des Kanals, schwarzgrün und verhalten silbern schimmernd.

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Fear death by water?

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Faible

April 2, 2008 § Ein Kommentar

Life is a question of nerves, and fibres, and slowly built-up cells in which thought hides itself and passion has its dreams. You may fancy yourself safe, and think yourself strong. But a chance tone of colour in a room or a morning sky, a particular perfume that you had once loved and that brings subtle memories with it, a line from a forgotten poem that you had come across again, a cadence from a piece of music that you had ceased to play – I tell you, Dorian, that it is on things like these that our lives depend.

Oscar Wilde, The Picture of Dorian Gray. (1890/1891)

Abgeschabt

Januar 11, 2007 § Hinterlasse einen Kommentar

„What else than a natural and mighty palimpsest is the human brain? Such a palimpsest is my brain; such a palimpsest, O reader! is yours. Everlasting layers of ideas, images, feelings, have fallen upon your brain softly as light. Each succession has seemed to bury all that went before. And yet in reality not one has been extinguished.“

Thomas De Quincey, Suspiria de Profundis, 1845

via: Kunst-Blog

Anfang

August 11, 2006 § 3 Kommentare

Er ist sprichwörtlich schwer und doch wohnt ihm ein Zauber inne. de profundis hat es richtig festgestellt: Gar nicht so leicht, sich im Internet schriftlich zu äußern, ohne sich ein eine Art Publikum vorzustellen. Die Tücken der Cyberintimacy. Kitzel des Exhibitionismus und Angst vor Ablehnung durch unbekannte ‚Stimmen‘, Wortmeldungen Unbekannter. Persönlichkeiten, die erst einmal nur aus eckigen Lettern bestehen. Allmählich entwindet sich aus dem Dunkel – vielleicht – ein Schemen, ein Wesen, eine Existenz aus Worten. Die trügerisch sein kann. Das Internet. Cyberintimacy. Ein Irrgarten aus sechsundzwanzig Zeichen.

Was wird das also für ein Blog? Ich meine: Experimentierfeld und Labyrinth. Und doch, hoffentlich, gerade kein Irrgarten. Es gibt Plan und Ziel, trotz Anschein des Gegenteils, doch der soll sich – wie der mythische thread, Ariadnes Faden – erst allmählich entwickeln. Ich will nicht zuviel versprechen, aber ich hoffe, dass es abwechslungsreich wird. Hinter den Biegungen sollen ab und zu Überraschungen lauern.

Und ich? Minotaurus, Zwitter, Mischwesen. Eine ambivalente Existenz: Der Stiermensch gilt als gefährlich, aber er ist auch lächerlich. Er versteckt sich, und will doch gefunden werden. Er wandert selbst durch die verwickelten Gänge und hofft, andere Wanderer zu treffen.

Das labyrinthische Blog also als Weg zur schreibenden Selbsterforschung der eigenen Hirnwindungen. Das ist vielleicht narzißtisch. (Mein eigentlicher Name sollte „Narcissus“ sein. Aber Narcissus ist ja – nicht nur bei WordPress – immer schon vergeben. An sich selbst.) Aber warum auch nicht? Kann schon sein, dass es keinen interessiert. Kommt auf den Versuch an. Und der beginnt jetzt.

Ein verehrter Schreibender soll noch zu Wort kommen. Über Anfänge schreibt er:

„The first sentence of every novel should be: ‚Trust me, this will take time but there is order here, very faint, very human.‘ Meander if you want to get to town.“

Gehe verschlungene Wege, wenn du ankommen willst. Gute Reise.

Wo bin ich?

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