Elephant in the Room

Mai 10, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

[I]n einem Elefanten stecken zwei Elefanten, einer der lernt, was man man ihm beibringt, und ein anderer, der hartnäckig darauf besteht, von nichts etwas wissen zu wollen, Woher weißt du das, Ich habe festgestellt, dass ich selber wie der Elefant bin, ein Teil von mir lernt, aber der andere will nicht wissen, was der erste Teil gelernt hat, und je mehr er nicht wissen will, umso länger lebt er, Ich kann deinen Wortspielen nicht folgen, Ich spiele nicht mit Worten, sie spielen mir mir[.]

José Saramago, Die Reise des Elefanten (2008)
« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Advertisements

Im Atelier

Juni 27, 2008 § Ein Kommentar

Ich fange an zu glauben, dass ich sie mir ausgesucht habe, damit sie mir zeigt, wie man Künstler ist. Bei unserem ersten Treffen hatte wir schon über das Künstler-Sein gesprochen. Über das Bildnis des Dorian Gray. Wilde schreibt, sagte Jenny, dass viele schlechte Künstler interessante Menschen seien. Die Kreativität käme bei ihnen nicht in der Kunst zum Ausdruck, sie müssten sie leben. Wohingegen gute Künstler völlig uninteressante Menschen seien, die ganz in ihrer Kunst aufgingen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

To see a world in a grain of sand

Juni 9, 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein kleines Mädchen in roten Gummistiefeln. Sie tapert auf die flache Pfütze zu. Setzt vorsichtig Füße und Stiefel hinein. Beugt den Oberkörper, stützt die Hände auf die Knie, geht ein bisschen in die Hocke und schaut nach unten. Auf das andere Element, das kalt durch ihre Stiefel zu spüren ist. Auf ihr Spiegelbild, ihr Gesicht, mit dem Himmel dahinter. Eine Welt. In einer Pfütze.

Ich liebe es sehr, dieses kleine Mädchen. Ich habe es vor einigen Wochen hier, vor meinem Haus, gesehen. „Beobachtet“ kann man nicht sagen: Ich bin es. Ich weiß noch, wie es war… Den Fuß im Stiefel in eine kalte niederrheinische Pfütze zu halten und nicht nass zu werden. Was ich damals nicht wusste, aber jetzt weiß: Die Pfütze enthielt die Welt. Den Himmel. Alles. Mich.

Triptychon (Selbstporträt)

Januar 11, 2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Es dunkelt. Ein Januarnachmittag in Berlin. Da draußen, etwa dreieinhalb Kilometer von hier, in einem Wohnhaus in Kreuzberg, sitzt eine junge Frau am Schreibtisch. Ich sehe sie im Geiste vor mir, ihr helles Gesicht angestrahlt vom Schein der Schreibtischlampe. Der bläuliche Schein ihres Notebook-Displays spiegelt sich in ihren Brillengläsern. Sie hat die dunklen Haare zum Pferdeschwanz gebunden und schaut konzentriert auf den Bildschirm. Ihre Fingerspitzen tippen Sätze; das leise, spitze Klackern der Tasten ist unregelmäßig zu hören. Eine sehr schnelle Folge kurzer Morsezeichen: Punkt – Punkt – Punkt – Punkt – Punkt – Punkt. Pause. Dann weiter. Q-W-E-R-T-Z. Parkett eines rasanten Tanzes. In ihrem Kopf formt sie Sätze, zwischen Neuronen rasen Botenstoffe hin und her, Muskeln spannen und entspannen sich: ihre kühlen, schlanken Finger schreiben einen Text. Elektronen rasen, LCD-Einheiten leuchten: Schrift erscheint. Die junge Frau trägt einen ausgewaschenen hellgrauen Pullover, unter dem Tisch stecken ihre Füße in dicken Kunstfell-Hausschuhen. Am Schreibtisch friert sie leicht. Ab und zu nimmt sie einen Schluck Tee aus einer Tasse, die neben ihr, neben Aufzeichungen und Büchern, auf dem Schreibtisch steht.

« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Szene am Sommerabend

November 7, 2006 § 2 Kommentare

Ein warmer Spätsommerabend, nach der Arbeit. Im „Sofia“, Wrangelstraße. Nett hier, und nach den ersten Schlucken Weißwein ist das Leben nicht mehr ganz so trist. Es läuft schöne ausländische, größtenteils französische Popmusik, dem Klang nach entweder aus den Sechzigern oder ultrahippe Neo-Sechziger. Glaube, die belgischen Vaya Con Dios zu erkennen. Das „Sofia“ ist ein ziemlich szeniger, linker und verranzter Schuppen im mittlerweile sehr angesagten Wrangelkiez. War entweder früher mal ein Döner- oder Gözleme-Laden, für das geschulte Auge anhand eines Reliefs an der Wand, eine türkische Hirten- und Bauernszene, leicht auszumachen. Die Gipshöhle in der anderen Ecke alleine hätte auf eine italienische Billig-Pizzeria hingedeutet.

« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan die Kategorie You are now entering the human heart auf ins labyrinth.